Politiker ohne Ausbildung – Liste und Abschlüsse nach Partei

Stand: 16.10.2026. Alle Angaben mit Quelle.
Viele Menschen wollen wissen, welche Politikerinnen und Politiker keinen Abschluss haben und welche Partei die meisten Abgeordneten ohne Studium stellt. Dieser Beitrag zeigt eine Liste bekannter Politikerinnen und Politiker ohne Studienabschluss aus SPD, CDU, Grünen, AfD und Linke/BSW. Er fasst außerdem zusammen, was Auswertungen über die Abschlüsse im Bundestag und in den Landtagen sagen. „Ohne Ausbildung“ heißt dabei meist „ohne Studienabschluss“. Wer eine Berufsausbildung hat, steht mit diesem Hinweis in der Liste.
Ein Abschluss ist für ein Mandat keine Pflicht. Wer in die Politik geht, braucht vor allem das Vertrauen der eigenen Partei und der Wählerinnen und Wähler. Wie politische Karrieren entstehen und wie man Politiker oder Politikerin wird, erkläre ich in eigenen Beiträgen. Wenn Sie Ihren eigenen Weg klären möchten, vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch (15 Minuten).
Wichtigste Erkenntnisse
- Für die Wahl in den Bundestag braucht man keinen Schul-, Berufs- oder Studienabschluss (§ 15 Bundeswahlgesetz).
- Bekannte Politikerinnen und Politiker aus fast allen Parteien haben ihr Studium nicht abgeschlossen, zum Beispiel Kevin Kühnert (SPD), Paul Ziemiak (CDU), Omid Nouripour (Grüne), Claudia Roth (Grüne) und Markus Frohnmaier (AfD). Belege stehen bei jedem Profil.
- 81 Prozent der Abgeordneten im 2025 gewählten Bundestag haben einen Studienabschluss. Bei CDU/CSU und Grünen sind es je 91 Prozent, bei der AfD 61 Prozent (University of Europe for Applied Sciences, 04.07.2025).
- 92 von 630 Bundestagsabgeordneten waren nie an einer Hochschule eingeschrieben, 52 davon gehören zur AfD-Fraktion (Jurafuchs, 30.07.2025).
- „Ohne Studium“ heißt nicht „ohne Ausbildung“: Die meisten Abgeordneten ohne Studium haben eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Welche Politiker haben keinen Abschluss? Die Liste
Politikerinnen und Politiker ohne Studienabschluss: eine Auswahl
Die folgende Auswahl zeigt bekannte Politikerinnen und Politiker aus Bund und Ländern, die ein Studium begonnen, aber nicht abgeschlossen haben. Ausgewählt wurden Personen, die Führungsämter in ihrer Partei, Fraktion oder Regierung hatten. Die meisten haben auch keine abgeschlossene Berufsausbildung; wo es eine gibt, steht sie dabei. Einige sind heute nicht mehr im Bundestag. Die Angaben stammen vor allem aus den Biografien des Deutschen Bundestages, die auf Angaben der Abgeordneten beruhen (Stand: Oktober 2026).
Übersicht (Belege stehen in den Profilen darunter)
| Name | Partei | Studium ohne Abschluss | Berufsausbildung | Wichtige Ämter |
|---|---|---|---|---|
| Kevin Kühnert | SPD | Publizistik, Politikwissenschaft | keine | Juso-Vorsitzender, SPD-Generalsekretär |
| Omid Nouripour | Grüne | u. a. Germanistik, Politik, Philosophie, Jura | keine | Co-Vorsitzender der Grünen, Bundestagsvizepräsident |
| Paul Ziemiak | CDU | Rechtswissenschaft, Unternehmenskommunikation | keine | JU-Vorsitzender, CDU-Generalsekretär |
| Tobias Hans | CDU | Wirtschaftsinformatik, Informationswissenschaft, Anglistik | keine | Ministerpräsident des Saarlandes |
| Markus Frohnmaier | AfD | Rechtswissenschaften | keine | Stellv. Fraktionsvorsitzender im Bundestag |
| Katrin Göring-Eckardt | Grüne | Evangelische Theologie | keine | Fraktionsvorsitzende, Bundestagsvizepräsidentin |
| Claudia Roth | Grüne | Theaterwissenschaft, Geschichte, Germanistik | keine | Parteivorsitzende, Staatsministerin für Kultur und Medien |
| Andrej Hunko | früher Linke, dann BSW | Medizin | Mediengestalter | MdB, Europapolitischer Sprecher der Linksfraktion |
Kevin Kühnert (SPD)
Kevin Kühnert begann ein Studium der Publizistik an der FU Berlin und später ein Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen. Beide schloss er nicht ab. Er war von 2017 bis 2021 Bundesvorsitzender der Jusos und von 2021 bis 2024 Generalsekretär der SPD. Von 2021 bis 2025 war er Mitglied des Bundestages. 2025 trat er nicht mehr an und zog sich aus der Politik zurück. (Wikipedia; Biografie beim Bundestag, 20. Wahlperiode)
Omid Nouripour (Bündnis 90/Die Grünen)
Omid Nouripour studierte von 1996 bis 2004 in Mainz unter anderem Germanistik, Politikwissenschaft, Philosophie und Rechtswissenschaften, ohne Abschluss. Seit 2006 ist er Mitglied des Bundestages. Er war außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion und von 2022 bis 2024 Co-Vorsitzender der Grünen. Seit 2025 ist er Vizepräsident des Deutschen Bundestages. (Biografie beim Bundestag)
Paul Ziemiak (CDU)
Paul Ziemiak studierte Rechtswissenschaft in Osnabrück und Münster und bestand die Erste Juristische Staatsprüfung nicht. Ein anschließendes Studium der Unternehmenskommunikation in Iserlohn schloss er ebenfalls nicht ab (Biografie der Konrad-Adenauer-Stiftung; Wikipedia). Er war von 2014 bis 2019 Bundesvorsitzender der Jungen Union und von 2018 bis 2022 Generalsekretär der CDU. Seit 2017 ist er Mitglied des Bundestages, seit 2022 Generalsekretär der CDU Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender des CDU-Bezirksverbands Südwestfalen. (Biografie beim Bundestag)
Tobias Hans (CDU)
Tobias Hans studierte ab 1998 Wirtschaftsinformatik, Informationswissenschaft und Anglistik an der Universität des Saarlandes. Das Studium schloss er nicht ab. Ab 2007 war er persönlicher Referent des saarländischen Ministers für Justiz, Arbeit, Gesundheit und Soziales. Seit 2009 ist er Mitglied des saarländischen Landtags, von 2018 bis 2022 war er Ministerpräsident des Saarlandes. Dem Bundestag gehörte er nie an. (Biografie der Konrad-Adenauer-Stiftung) Bei der Landtagswahl im April 2027 tritt er nicht mehr an (dpa via RPR1).
Markus Frohnmaier (AfD)
Markus Frohnmaier ist seit 2017 Mitglied des Bundestages und stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion (Stuttgarter Zeitung). Nach dem Abitur 2011 studierte er Rechtswissenschaften in Tübingen; einen Studienabschluss und eine Berufsausbildung nennt seine Bundestagsbiografie nicht (Biografie beim Bundestag). Nach eigenen Angaben in einem SWR-Interview vom August 2025 brach er das Studium ohne Abschluss ab (Wikipedia).
Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen)
Katrin Göring-Eckardt studierte nach dem Abitur 1984 evangelische Theologie in Leipzig, ohne Abschluss. Seit 1998 ist sie Mitglied des Bundestages (Biografie beim Bundestag). Sie war unter anderem Fraktionsvorsitzende der Grünen und von 2005 bis 2013 sowie von 2021 bis 2025 Vizepräsidentin des Bundestages (Wikipedia).
Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen)
Claudia Roth studierte nach dem Abitur Theaterwissenschaft, Geschichte und Germanistik in München und beendete das Studium nach zwei Semestern (Wikipedia). Danach arbeitete sie als Dramaturgin und als Managerin der Band Ton Steine Scherben. Sie war Europaabgeordnete, Bundesvorsitzende der Grünen, von Oktober 2013 bis Dezember 2021 Vizepräsidentin des Bundestages und von 2021 bis 2025 Staatsministerin für Kultur und Medien. Sie ist Mitglied des Bundestages. (Biografie beim Bundestag)
Andrej Hunko (früher Die Linke, dann BSW)
Andrej Hunko studierte Medizin in Freiburg und beendete das Studium 1991 ohne Abschluss. Später machte er eine Berufsausbildung zum Mediengestalter. Er hat also eine abgeschlossene Ausbildung, aber keinen Studienabschluss. Von 2009 bis 2025 war er Mitglied des Bundestages, zuerst für Die Linke. Nach der Auflösung der Linksfraktion war er ab Dezember 2023 fraktionslos und ab Februar 2024 Mitglied der Gruppe BSW. Seit der Wahl 2025 ist er nicht mehr im Bundestag. (Biografie beim Bundestag, 20. Wahlperiode; Wikipedia)
Weitere Beispiele
Die Auswertung von Jurafuchs fand im 2025 gewählten Bundestag 15 Abgeordnete, die ihr Studium nicht erfolgreich abgeschlossen haben. Genannt werden neben Paul Ziemiak und Omid Nouripour auch Saskia Esken (SPD). Ricarda Lang (Grüne) stand ebenfalls auf dieser Liste, hat ihr Jurastudium aber im September 2025 mit dem Bachelor of Laws abgeschlossen (Deutscher Bundestag, Biografie Ricarda Lang). Sechs weitere Abgeordnete gaben an, dass ihr Studium noch läuft oder ruht (Jurafuchs, 30.07.2025).
Diese Auswahl ist nicht abschließend. Sie zeigt, dass ein abgeschlossenes Studium für politische Ämter keine Voraussetzung ist. Ob Berufserfahrung außerhalb der Politik für Abgeordnete wichtig ist, wird öffentlich unterschiedlich bewertet. Die einen sehen darin Nähe zur Lebensrealität, die anderen halten politische Erfahrung, Engagement und Vertrauen der Wählerinnen und Wähler für entscheidender.
Welche Partei hat die meisten Politiker ohne Studium?
Eine amtliche Statistik des Bundestags zu Bildungsabschlüssen nach Fraktion gibt es nicht. Es gibt aber zwei Auswertungen der Lebensläufe aller 630 Abgeordneten des 21. Bundestags (gewählt im Februar 2025). Beide kommen zu einem ähnlichen Bild: In allen Fraktionen hat die große Mehrheit studiert. Der Anteil ohne Studium ist bei der AfD am höchsten.
Nach der Analyse der University of Europe for Applied Sciences vom 04.07.2025 haben 81 Prozent der Abgeordneten einen Studienabschluss. 31 Prozent haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, knapp die Hälfte davon zusätzlich ein Studium. 15 Prozent haben nur eine Berufsausbildung und kein Studium; die Studie nennt sie Quereinsteiger.
Anteil der Abgeordneten mit Studienabschluss nach Fraktion (21. Bundestag)
| Fraktion | Mit Studienabschluss | Nur Berufsausbildung (Quereinsteiger) |
|---|---|---|
| CDU/CSU | 91 % | 8 % |
| Bündnis 90/Die Grünen | 91 % | 1 % |
| SPD | 88 % | 10 % |
| Die Linke | 75 % | 14 % |
| AfD | 61 % | 34 % |
| Alle Abgeordneten | 81 % | 15 % |
Quelle: University of Europe for Applied Sciences, Pressemitteilung vom 04.07.2025, Auswertung der Abgeordnetenbiografien (Stand 25.06.2025; für 26 Abgeordnete lagen keine Angaben vor). Laut derselben Auswertung hat die AfD mit 34 % den größten Anteil an Quereinsteigern aus anderen Berufen.
Eine zweite Auswertung des Lernportals Jurafuchs zählt die Abgeordneten, die nie an einer Hochschule eingeschrieben waren: 92 von 630, davon 52 aus der AfD-Fraktion. 97 Abgeordnete haben einen Doktortitel, elf eine Habilitation (Jurafuchs, „Der Bundestag im Studiums-Check“, 30.07.2025).
Zur Einordnung: „Ohne Studium“ heißt nicht „ohne Ausbildung“. Die meisten Abgeordneten ohne Studium haben eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine Laufbahn in Verwaltung, Handwerk oder Wirtschaft. Am häufigsten sind kaufmännische Ausbildungen (28 Prozent) und handwerkliche Ausbildungen (15 Prozent) (UE, 04.07.2025). Zum Vergleich mit der Bevölkerung: Eine Auswertung der Welt aus dem Jahr 2019 kam auf knapp 82 Prozent Akademiker im damaligen Bundestag und knapp 18 Prozent in der Gesamtbevölkerung (Forschung & Lehre, 17.06.2019).
Wie sieht es in den Landtagen aus?
In den Landtagen ist der Unterschied größer. Eine Auswertung von 1.898 Abgeordneten aller 16 Landesparlamente (Stand Juli 2026, vor den Landtagswahlen im September 2026) ergibt: 70,9 Prozent haben ein abgeschlossenes Studium. Nach Partei: Grüne 81,2 %, Die Linke 79,5 %, CSU 76,5 %, CDU 75,8 %, SPD 74,0 %, AfD 48,1 %. Die Abbrecherquote liegt bei 2,1 Prozent (Jurafuchs, Landesparlamente im Studiums-Check, 14.07.2026).
Die Zahlen beruhen auf Angaben der Abgeordneten in ihren Lebensläufen. Abgebrochene Studiengänge, Doppelabschlüsse und unvollständige Angaben werden in den Auswertungen unterschiedlich behandelt, deshalb weichen die Werte leicht voneinander ab.
Welche Abschlüsse haben AfD-Politiker?
Im Bundestag haben 61 Prozent der AfD-Abgeordneten einen Studienabschluss. 34 Prozent haben nur eine Berufsausbildung, das ist der höchste Anteil aller Fraktionen. Auffällig ist die Fächerwahl: 47 Prozent der Abgeordneten mit einem Abschluss in Ingenieurwissenschaften gehören der AfD an (UE, 04.07.2025). Von den 92 Abgeordneten, die nie an einer Hochschule eingeschrieben waren, gehören 52 zur AfD-Fraktion (Jurafuchs, 30.07.2025).
In den Landtagen hat knapp jeder zweite AfD-Abgeordnete studiert (48,1 Prozent) (Jurafuchs, 14.07.2026). Für die AfD-Fraktion im Bundestag von 2019 nannte eine Auswertung der Welt noch knapp 80 Prozent mit Hochschulabschluss (Forschung & Lehre, 17.06.2019). Die Methoden der Studien unterscheiden sich, ein direkter Vergleich ist deshalb nur eingeschränkt möglich.
Ein Beispiel für einen AfD-Politiker ohne Studienabschluss ist Markus Frohnmaier (Profil oben). Wie Karrieren in der Partei verlaufen, beschreibe ich im Beitrag zur Karriere in der AfD. Für die anderen Parteien gibt es eigene Beiträge, etwa zur Karriere in der CDU, in der SPD und bei Bündnis 90/Die Grünen.
Den Stand zu einem möglichen Verbotsverfahren erklärt der Beitrag AfD-Verbot.
Welche Politiker haben keinen Schulabschluss?
Eine Statistik zu Schulabschlüssen der Abgeordneten habe ich nicht gefunden. Das bekannteste Beispiel ist Joschka Fischer (Grüne). Er verließ 1965 vor dem Ende der 10. Klasse das Gymnasium ohne Abschluss und brach 1966 eine Lehre als Fotograf ab. Von 1998 bis 2005 war er Außenminister und Vizekanzler (Wikipedia).
Andere Wege führen über den zweiten Bildungsweg. Markus Frohnmaier (AfD) besuchte zuerst die Hauptschule, dann eine Fachschule und machte 2011 das Abitur an einem Wirtschaftsgymnasium (Biografie beim Bundestag).
Braucht man eine Ausbildung, um Politiker zu werden?
Nein. Für die Wahl in den Bundestag verlangt das Recht im Wesentlichen nur die Volljährigkeit und die deutsche Staatsangehörigkeit, keinen Schul-, Berufs- oder Studienabschluss (Artikel 38 Grundgesetz, § 15 Bundeswahlgesetz). Nicht wählbar ist unter anderem, wer infolge Richterspruchs die Wählbarkeit oder die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter verloren hat (§ 15 Abs. 2 BWahlG, gleiche Quelle).
In der Praxis entscheidet die Partei: Wer kandidieren will, braucht einen Listenplatz oder eine Nominierung als Direktkandidatin oder Direktkandidat. Wie das abläuft, erkläre ich in den Beiträgen Wie wird man Bundestagsabgeordneter? und Direktkandidaten. Einen Überblick über die Rollen gibt der Beitrag Politiker in Deutschland.
Was macht einen erfahrenen Politiker aus, wenn nicht der Abschluss?
Die folgenden Absätze geben meine Einschätzung aus der Beratungspraxis wieder.
Politische Arbeit beruht auf Fähigkeiten, die vor allem in der Praxis entstehen: verhandeln, Krisen bewältigen, Prioritäten setzen, vor Publikum sprechen und sich mit anderen abstimmen. Ein Studium kann Wissen über politische Theorie, Recht oder Wirtschaft vermitteln. Vieles lernen Politikerinnen und Politiker aber erst im Umgang mit Fraktionen, Ausschüssen, Verwaltung, Medien und gesellschaftlichen Gruppen. Wer früh Verantwortung in Partei oder Kommune übernimmt, sammelt diese Erfahrung schneller.
In Parteien zählt oft, wer organisiert, mobilisiert und Konflikte moderiert. Aufstieg hängt stark von Vertrauen, innerparteilicher Unterstützung und wiederholter Bewährung ab. Das erklärt, warum auch Menschen ohne Abschluss hohe Ämter erreichen.
Eine fundierte Ausbildung kann helfen, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und in einem Fachgebiet zu überzeugen. Für die politische Arbeit halte ich außerdem für wichtig:
- echtes Interesse an gesellschaftlichen Themen und den Bedürfnissen der Menschen,
- die Fähigkeit, zuzuhören und Brücken zu bauen,
- Integrität und klare Werte,
- die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Was einen guten Politiker oder eine gute Politikerin ausmacht, beschreibe ich in einem eigenen Beitrag.
Warum wird über Abschlüsse von Politikern so viel diskutiert?
In vielen Berufen ist der Weg klar geregelt: Ausbildung oder Studium, dann der Beruf. In der Politik gibt es diesen Weg nicht. Akademische Titel gelten vielen als Zeichen für Leistung und Disziplin. Deshalb fallen Politikerinnen und Politiker ohne Abschluss in hohen Ämtern auf, und Listen wie diese erzeugen viel Aufmerksamkeit.
Die Bewertung fällt unterschiedlich aus. Die einen erwarten von Abgeordneten einen Abschluss oder Berufserfahrung außerhalb der Politik. Sie sehen darin einen Nachweis von Fachwissen und Nähe zum Arbeitsleben. Die anderen verweisen darauf, dass Abgeordnete gewählt werden und keine Prüfung bestehen müssen. Sie betonen, dass ein Parlament die Bevölkerung abbilden soll, in der die Mehrheit nicht studiert hat. Aus meiner Sicht sagt ein einzelnes biografisches Merkmal wenig über die politische Arbeit einer Person aus. Auch diese Liste zeigt nur einen Ausschnitt.
Mehr Hintergrund geben die Beiträge Wie viele Berufspolitiker gibt es in Deutschland? und Ab wann verdient man in der Politik Geld?
Wie komme ich ohne Abschluss auf einen Listenplatz?
Über Listenplätze entscheiden Parteimitglieder in Aufstellungsversammlungen. Ein Abschluss spielt dort formal keine Rolle. Aus meiner Erfahrung kommt es darauf an:
- die eigenen politischen Ziele und Überzeugungen klar zu formulieren,
- ein Profil mit einem zentralen Thema und zwei bis drei ergänzenden Feldern zu entwickeln,
- in der Partei Aufgaben zu übernehmen und Beziehungen aufzubauen,
- glaubwürdig aufzutreten, mit der eigenen Biografie statt gegen sie,
- eine langfristige Strategie für die Kandidatur zu planen.
Ein Erfolg ist dabei nie garantiert. Die Konkurrenz um sichere Listenplätze ist in allen Parteien groß.
Wie ich Sie unterstütze
Ich berate Menschen, die in die Politik wollen, sowie Mandatsträgerinnen und Mandatsträger, überparteilich und neutral, egal welcher Partei sie angehören, solange sie demokratisch antreten. Lobbyarbeit im Auftrag Dritter mache ich nicht. Wenn Beteiligte miteinander ins Gespräch kommen sollen, vermittle und moderiere ich. Mit Politik-Coaching und systemischen Methoden helfe ich Ihnen:
- Ihre Stärken aus Beruf, Ehrenamt und Lebensweg herauszuarbeiten,
- zu klären, wofür Sie stehen und welche Veränderungen Sie anstoßen wollen,
- Kernbotschaften zu entwickeln und mit Kritik umzugehen,
- Ihren Weg in der Partei bis zur Aufstellung zu planen,
- an Auftreten, Stimme und Konfliktverhalten zu arbeiten.
Das gilt mit und ohne Abschluss. Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch von 15 Minuten.
Häufige Fragen zu Politikern ohne Ausbildung
Welche Partei hat die meisten Politiker ohne Ausbildung?
Im Bundestag hat die AfD-Fraktion den niedrigsten Anteil an Abgeordneten mit Studienabschluss (61 %), CDU/CSU und Grüne den höchsten (je 91 %) (UE, 04.07.2025). Abgeordnete ganz ohne Ausbildung, also ohne Studium und ohne Berufsausbildung, sind in allen Fraktionen selten; eine Statistik dazu gibt es nicht.
Welche Grünen-Politiker haben keinen Abschluss?
Bekannte Beispiele sind Omid Nouripour, Katrin Göring-Eckardt und Claudia Roth, die ihr Studium nicht abgeschlossen haben. Gleichzeitig hat die Grünen-Fraktion mit 91 Prozent einen der höchsten Akademikeranteile im Bundestag (UE, 04.07.2025).
Wie viele Bundestagsabgeordnete haben keinen Abschluss?
92 von 630 Abgeordneten waren nie an einer Hochschule eingeschrieben, weitere 15 haben ein Studium nicht abgeschlossen (Jurafuchs, 30.07.2025). Die meisten von ihnen haben eine Berufsausbildung.
Muss man studiert haben, um Politiker zu werden?
Nein. Für die Wahl in den Bundestag ist kein Abschluss nötig (§ 15 Bundeswahlgesetz). Entscheidend sind die Nominierung durch die Partei und die Wahl.
Sind Politikerinnen und Politiker ohne Abschluss weniger kompetent?
Das lässt sich pauschal nicht sagen. Ein Studium vermittelt Fachwissen, politische Erfahrung entsteht vor allem in der Praxis. Wie wichtig formale Abschlüsse für Abgeordnete sind, wird öffentlich unterschiedlich bewertet.
Warum gibt es in der Politik keine Ausbildungspflicht?
Das Grundgesetz sieht freie und gleiche Wahlen vor (Artikel 38 Grundgesetz). Wer gewählt werden kann, regelt das Bundeswahlgesetz ohne Bildungsvoraussetzung. Politische Legitimation entsteht durch Wahlen, nicht durch Bildungsnachweise.
Quellen
- Grundgesetz, Artikel 38: https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_38.html
- Bundeswahlgesetz, § 15 Wählbarkeit: https://www.gesetze-im-internet.de/bwahlg/__15.html
- University of Europe for Applied Sciences, „Akademikeranteil im Bundestag“, Pressemitteilung vom 04.07.2025: https://www.ue-germany.com/de/news-center/presse/akademikeranteil-im-bundestag
- Jurafuchs, „Der Bundestag im Studiums-Check“, 30.07.2025: https://www.jurafuchs.de/presse/der-bundestag-im-studiums-check
- Jurafuchs, „Deutschlands Landesparlamente im Studiums-Check“, 14.07.2026: https://www.jurafuchs.de/presse/deutschlands-landesparlamente-im-studiums-check-diese-universit%C3%A4ten-bringen-die-meisten-parlamentarier-hervor
- Forschung & Lehre, „Mehr als 80 Prozent Akademiker im Bundestag“, 17.06.2019: https://www.forschung-und-lehre.de/politik/mehr-als-80-prozent-akademiker-im-bundestag-1861
- Deutscher Bundestag, Biografie Kevin Kühnert (20. WP): https://www.bundestag.de/webarchiv/abgeordnete/biografien20/K/kuehnert_kevin-860416
- Deutscher Bundestag, Biografie Omid Nouripour: https://www.bundestag.de/abgeordnete/biografien/N/nouripour_omid-1046368
- Deutscher Bundestag, Biografie Paul Ziemiak: https://www.bundestag.de/abgeordnete/biografien/Z/ziemiak_paul-1048298
- Deutscher Bundestag, Biografie Markus Frohnmaier: https://www.bundestag.de/abgeordnete/biografien/F/frohnmaier_markus-1044406
- Deutscher Bundestag, Biografie Katrin Göring-Eckardt: https://www.bundestag.de/abgeordnete/biografien/G/goering_eckardt_katrin-1044556
- Deutscher Bundestag, Biografie Claudia Roth: https://www.bundestag.de/abgeordnete/biografien/R/roth_claudia-1046858
- Deutscher Bundestag, Biografie Andrej Hunko (20. WP): https://www.bundestag.de/webarchiv/abgeordnete/biografien20/H/hunko_andrej-857404
- Konrad-Adenauer-Stiftung, Biogramm Paul Ziemiak: https://www.kas.de/de/web/geschichte-der-cdu/personen/biogramm-detail/-/content/paul-ziemiak-2
- Konrad-Adenauer-Stiftung, Biogramm Tobias Hans: https://www.kas.de/de/web/geschichte-der-cdu/personen/biogramm-detail/-/content/tobias-hans
- RPR1/dpa, „Tobias Hans tritt bei Landtagswahl im Saarland nicht mehr an“, September 2026: https://www.rpr1.de/nachrichten/dpa-rheinland-pfalz/tobias-hans-tritt-bei-landtagswahl-im-saarland-nicht-mehr-an
- Stuttgarter Zeitung, „Markus Frohnmaier ist Spitzenkandidat der AfD im Südwesten“: https://www.stuttgarter-zeitung.de/lokales/baden-wuerttemberg/baden-wuerttemberg-markus-frohnmaier-ist-spitzenkandidat-der-afd-im-suedwesten-79149100
- Wikipedia (Zweitquelle): Kevin Kühnert, Paul Ziemiak, Markus Frohnmaier, Katrin Göring-Eckardt, Claudia Roth, Andrej Hunko, Joschka Fischer
Über den Autor
Ich bin Sebastian Flack, systemischer Politikberater, politischer Supervisor und Politik-Coach. Als Sozial- und Politikwissenschaftler (M.A.) und Ex-Soldat bin ich seit über zehn Jahren in der Politikberatung tätig. Ich begleite Politikerinnen und Politiker, Parteien, Fraktionen und Organisationen dabei, in komplexen Lagen klar und handlungsfähig zu bleiben.
Meine Arbeit verbindet wissenschaftliche Fundierung, praktische Erfahrung und eine systemische Denkweise. Ich arbeite überparteilich für alle, die demokratisch antreten.
Ihr nächster Schritt in der Politik
Sie wollen in die Politik einsteigen oder Ihre Rolle weiterentwickeln? Im kostenlosen Erstgespräch (15 Minuten) sortieren wir Ihre Ziele und die nächsten Schritte.
