KI in der Politik: Auswirkungen, Chancen & Herausforderungen

Künstliche Intelligenz ist in der Politik angekommen: in Parlamenten und Verwaltungen, im Wahlkampf und in der politischen Bildung. Wie bei Social Media verändert eine Technik, wie Politik arbeitet und kommuniziert.
In diesem Beitrag zeige ich, wo KI heute eingesetzt wird, welche Chancen und Risiken diskutiert werden und welche Regeln seit August 2026 gelten. Wenn Sie den Umgang mit KI in Ihrem Büro, Ihrer Fraktion oder Ihrer Kampagne klären möchten, buchen Sie ein kostenloses Erstgespräch (15 Minuten).
Wichtigste Erkenntnisse
- KI unterstützt Politik bei Analyse, Text und Routine. In den Beispielen dieses Beitrags entscheiden Menschen.
- Im Wahlkampf 2025 waren knapp 4 Prozent der Instagram-Bilder der Parteien und ihrer Jugendorganisationen KI-generiert, keines war gekennzeichnet (Geise u. a., 2025).
- Seit dem 2. August 2026 gilt die Kennzeichnungspflicht für Deepfakes nach Artikel 50 der KI-Verordnung (Europäische Kommission).
- Bundestag, Bund und Länder bauen eigene, datensichere KI-Werkzeuge auf, statt externe Dienste zu nutzen.
- Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet Material zu Deepfakes und Wahlen an (bpb); der Wahl-O-Mat ist dagegen ein redaktionelles Angebot, keine KI.
Wie verändert KI die politische Entscheidungsfindung?
Wenn von KI in der Politik die Rede ist, geht es weniger darum, Maschinen politische Entscheidungen treffen zu lassen, als darum, sie zur Unterstützung einzusetzen. KI kann große Datenmengen auswerten, Muster erkennen und Prognosen erstellen, die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern helfen, komplexe Sachverhalte zu verstehen.
Politische Entscheidungen entstehen aus einem Zusammenspiel von Fakten, Werten, Interessen und Kompromissen. KI kann dieses Zusammenspiel nicht ersetzen. Sie kann aber Grundlagen liefern, etwa indem sie Klimadaten analysiert, Verkehrsströme simuliert oder die Wirkung von Gesetzen modelliert.
Die Kehrseite: Wenn politische Prozesse auf Datenmodellen beruhen, können algorithmische Verzerrungen („Bias“) Entscheidungen beeinflussen. Deshalb stellt sich die Frage, wie nachvollziehbar ein System seine Ergebnisse macht und wer die Verantwortung trägt. Wie Menschen überhaupt in politische Verantwortung kommen, beschreibt der Beitrag Wie wird man Politiker oder Politikerin?
Wo wird KI in der Politik weltweit eingesetzt?
Beispiele für KI in der Politik gibt es in mehreren Ländern. In Estland beantwortet der staatliche virtuelle Assistent Bürokratt Fragen zu öffentlichen Dienstleistungen und leitet an Mitarbeitende weiter, wenn er nicht helfen kann (Information System Authority Estland, Stand 20.05.2026). In Großbritannien wertet das Werkzeug „Consult“ Antworten auf öffentliche Konsultationen aus: Es ordnet die Antworten Themen zu, Beschäftigte der Verwaltung prüfen und korrigieren das Ergebnis, Entscheidungen trifft das Werkzeug nicht (GOV.UK, Algorithmic Transparency Record, 14.05.2025).
Bei den Vereinten Nationen schult die Innovation Cell der Hauptabteilung für politische Angelegenheiten und Friedenskonsolidierung (DPPA) ihre Mitarbeitenden darin, generative KI für Konfliktanalysen zu nutzen (UN DPPA, abgerufen 18.10.2026). Beispiele aus Bundestag, Bundesverwaltung und Ländern stehen im nächsten Abschnitt.
Bei allen Beispielen stellt sich dieselbe Frage: Wie lassen sich Transparenz und Nachvollziehbarkeit dieser Systeme sichern?
Wie nutzen Parlamente und Verwaltung KI?
Der Bundestag baut einen eigenen KI-Chatbot auf. Er soll bis Ende 2026 für Abgeordnete, Büros und Verwaltung bereitstehen. Geplante Aufgaben: Transkription, sprachliche Überarbeitung, Vorbereitung von Reden und das Sortieren von Bürgeranfragen und Massenpost. Personenbezogene Daten werden maskiert, vollständig KI-erzeugte Texte müssen gekennzeichnet werden, Schulungen sind Pflicht, die Nutzung ist freiwillig. Der Testlauf dauert zwölf Monate (heise online, 23.09.2026). Ein Grund ist die „Schatten-KI“: Abgeordneten kann niemand externe Werkzeuge verbieten.
Die Bundesverwaltung arbeitet mit der zentralen Plattform KIPITZ. Sie läuft in den Rechenzentren des ITZBund, darf Daten der Stufe „VS-Nur für den Dienstgebrauch“ verarbeiten und gibt keine Daten an externe KI-Anbieter weiter. In mehreren Häusern ist ein „KI-Führerschein“ Voraussetzung, ein E-Learning mit fünf Modulen und rund zwei Stunden Umfang (Bundestagsdrucksache 21/7443, 31.07.2026). Die Bundesregierung nennt dort ihren Maßstab: „Inhalt und Verantwortung liegen beim Menschen.“ Anlass der Anfrage war ein Bericht, wonach Reden des Digitalministers mit KI erstellt wurden.
Baden-Württemberg betreibt seit 2022 den Assistenten F13. Der Rollout in allen Landesministerien war Ende Oktober 2024 abgeschlossen (Staatsministerium BW, 12.11.2024). Seit Juli 2025 ist F13 als Open Source auf openCode verfügbar (Staatsanzeiger, 23.07.2025). Heute steht F13 rund 50.000 Beschäftigten der Landesverwaltung zur Verfügung (Staatsanzeiger, 10.06.2026) und läuft auf offenen Sprachmodellen in der Infrastruktur des Landes (BITBW, 30.04.2026). Bund und Länder haben im März 2026 zudem die Eckpunkte für den „Deutschland-Stack“ beschlossen, eine gemeinsame Plattformbasis für die Verwaltung (digitale-verwaltung.de, März 2026).
Alle Beispiele betreffen Text, Recherche und Zusammenfassung. Keines trifft Entscheidungen. KI in der Rechtspflege und in demokratischen Prozessen gilt in der KI-Verordnung als Hochrisiko. Die Pflichten dafür greifen nach dem Omnibus erst ab dem 2. Dezember 2027 (Europäische Kommission, abgerufen 15.10.2026). In allen genannten Beispielen bereitet KI vor, entscheiden und verantworten Menschen.
Welche Chancen bietet KI in der Politik?
Regierungen, Parlamente und Verwaltungen sollen immer komplexere Aufgaben in kurzer Zeit lösen. KI kann helfen, Daten schneller zu verarbeiten und Zusammenhänge sichtbar zu machen. Häufig genannte Chancen sind:
- Schnellere Analyse: große Datenmengen auswerten, damit Maßnahmen schneller geplant werden können
- Entlastung von Routine: automatisierte Systeme übernehmen Routineaufgaben in der Verwaltung, sodass Zeit für persönliche Beratung oder direkte Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern frei wird
- Beteiligung: große Mengen öffentlicher Rückmeldungen ordnen, wie beim britischen Werkzeug „Consult“
- Internationale Zusammenarbeit: Muster in Daten etwa zu Handel, Migration oder Umwelt erkennen
- Kommunikation: Plattformen, über die Bevölkerung und Verwaltung miteinander in Kontakt treten
Ob diese Chancen eintreten, hängt davon ab, wie Systeme eingesetzt, geprüft und kontrolliert werden.
Welche Risiken hat KI in der Politik?
Bei KI in der Politik werden vor allem drei Risiken diskutiert:
- Algorithmische Verzerrung (Bias): KI-Systeme spiegeln die Daten wider, mit denen sie trainiert wurden. Enthalten diese Daten gesellschaftliche Vorurteile, kann die KI sie übernehmen. Entscheidungen etwa über Sozialleistungen, Polizeieinsätze oder Fördermittel könnten dann unbeabsichtigt diskriminierend wirken.
- Fehlende Transparenz: Bei vielen Systemen lässt sich nicht nachvollziehen, warum sie eine bestimmte Empfehlung ausgeben. In einem demokratischen System, das auf Rechenschaft beruht, ist das ein Problem: Bürgerinnen und Bürger sollen nachvollziehen können, auf welcher Grundlage entschieden wird.
- Manipulation durch Desinformation: Generative KI kann täuschend echte Videos, Stimmen oder Texte erzeugen. Beispiele aus dem Bundestagswahlkampf 2025 und den Landtagswahlen 2026 stehen im nächsten Abschnitt.
Hinzu kommt die Frage nach Verantwortung: Wenn ein Algorithmus eine Empfehlung gibt, wer trägt dann die politische Verantwortung? Die Bundesregierung beantwortet das für ihre eigene Verwaltung mit dem Satz „Inhalt und Verantwortung liegen beim Menschen“ (Bundestagsdrucksache 21/7443).
Wie wird KI in der politischen Kommunikation eingesetzt?
KI ist im Wahlkampf angekommen. Parteien nutzen sie für Bilder, Videos, Texte und die Auswertung von Daten. Eine Studie der Universität Bremen hat die Instagram-Beiträge der großen Parteien und ihrer Jugendorganisationen vor der Bundestagswahl 2025 untersucht. Von 1.553 Bildern der Parteien und 315 Bildern der Jugendorganisationen waren 68 KI-generiert, das sind rund 3,6 Prozent (die Studie selbst nennt 3,8 Prozent). Bei der AfD, die am meisten postete, war während des Wahlkampfs rund die Hälfte der eigenen Instagram-Bilder KI-generiert (39 Bilder). Keine einzige Partei hat ihre KI-Bilder gekennzeichnet (Geise u. a., Studies in Communication and Media 4/2025).
Grundlagen zu Framing, Agenda-Setting und Analyse stehen im Beitrag Politische Kommunikation.
Vor der Wahl hatten sich sechs Parteien (SPD, CDU, CSU, Grüne, FDP, Linke) in einem Fairnessabkommen verpflichtet, KI-generiertes Bild-, Video- und Tonmaterial mit dem Label „KI-generierter Inhalt“ zu kennzeichnen und keine Deepfakes zu nutzen, die politischen Mitbewerbern Aussagen in den Mund legen (LTO, 23.12.2024). Das Abkommen ist freiwillig und hat keine Sanktionen.
Deepfakes kamen auch von außen. Im Dezember 2024 verbreitete sich ein mit KI erstelltes Video mit falschen Missbrauchsvorwürfen gegen Robert Habeck. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stufte den Fall als Desinformationskampagne ein (Correctiv, 13.12.2024).
Bei den Landtagswahlen 2026 setzte sich das fort. Vor der Wahl in Baden-Württemberg warnte das Landesamt für Verfassungsschutz vor gefälschten Audio-Aufnahmen, KI-Stimmen in Anrufen und gefälschten Nachrichtenseiten und stellte eine Checkliste für Kandidierende bereit (Verfassungsschutz BW, abgerufen 15.10.2026). In Mecklenburg-Vorpommern stellte das Innenministerium seit Juni 2026 mehrere ausländische Manipulationswellen fest, vor allem gegen Personen von CDU und SPD. Am Wahltag behaupteten drei Accounts auf X fälschlich, die AfD stehe nicht auf den Stimmzetteln. Ein AfD-Landtagsabgeordneter verbreitete selbst ein KI-Video über Ministerpräsidentin Schwesig und nannte es Satire (Nordkurier, 30.09.2026).
Die Regeln dafür sind seit August 2026 schärfer. Artikel 50 der KI-Verordnung gilt seit dem 2. August 2026. Wer Deepfakes verbreitet, muss offenlegen, dass der Inhalt künstlich erzeugt oder verändert wurde. Für die maschinenlesbare Kennzeichnung durch Anbieter gilt eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026, aber nur für Systeme, die vor dem 2. August 2026 auf den Markt kamen (Europäische Kommission, FAQ zum Verhaltenskodex, abgerufen 15.10.2026). Diese Frist stammt aus dem „Digitalen Omnibus“, der als Verordnung (EU) 2026/1744 am 27. Juli 2026 in Kraft trat (EUR-Lex, Amtsblatt L 2026/1744; Regulatory Blog, abgerufen 15.10.2026). In Deutschland ist die Bundesnetzagentur seit dem 29. Juli 2026 die zentrale Marktüberwachungsbehörde für KI (KI-MIG vom 22.07.2026, gesetze-im-internet.de). Dort können Bürgerinnen und Bürger auch Beschwerden einreichen (Bundestag, Textarchiv Juni 2026).
Für die Praxis heißt das: Wer KI im Wahlkampf nutzt, braucht klare Kennzeichnung, interne Freigaben und einen Plan für den Fall, dass ein Deepfake die eigene Person trifft.
Wie kann KI in der politischen Bildung helfen?
Politische Bildung hat zwei Aufgaben zugleich: KI erklären und KI nutzen. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat dafür ein Dossier „Wenn der Schein trügt“ zu Deepfakes mit Unterrichtsmaterial „Deepfakes und Wahlen“ veröffentlicht (bpb, abgerufen 15.10.2026). Für ihre eigene Arbeit hat die bpb eine Leitlinie zum redaktionellen Einsatz von KI veröffentlicht. Datenschutz steht dort an erster Stelle, Programme werden nach Möglichkeit selbst gehostet (bpb, abgerufen 15.10.2026).
Der Wahl-O-Mat bleibt das reichweitenstärkste Angebot. Seit 2002 wurde er rund 165 Millionen Mal genutzt, allein zur Bundestagswahl 2025 26,0 Millionen Mal. Bei den Landtagswahlen 2026 waren es 2,15 Millionen Nutzungen in Baden-Württemberg, 714.000 in Rheinland-Pfalz, 1,28 Millionen in Sachsen-Anhalt, 494.000 in Mecklenburg-Vorpommern und 1,05 Millionen in Berlin (bpb, Wahl-O-Mat, abgerufen 15.10.2026). Die Thesen entstehen in Workshops mit jungen Wählerinnen und Wählern, die Antworten kommen von den Parteien. Der Wahl-O-Mat ist damit kein KI-Werkzeug, sondern ein redaktionelles.
Die Landeszentralen gehen weiter. Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg startete ihre Web-Talk-Reihe zur Landtagswahl 2026 am 20. November 2025 mit dem Thema „Deepfakes, Daten, Demokratie. Wie klug wählen wir mit KI?“ (LpB BW, 13.11.2025).
In den Schulen gibt die Kultusministerkonferenz den Rahmen vor. Ihre Handlungsempfehlung vom 10. Oktober 2024 behandelt fünf Felder: Lernen und Didaktik, Prüfungskultur, Professionalisierung von Lehrkräften, Regulierung und Chancengleichheit beim Zugang (KMK, 10.10.2024). Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages haben den Stand im Februar 2025 zusammengefasst (WD 8-3000-004/25, 28.02.2025).
Die Chancen: Wahlprogramme zusammenfassen, Verfahren erklären, Inhalte in einfache Sprache übersetzen. Die Risiken: Sprachmodelle können Parteipositionen falsch wiedergeben, und es ist nicht nachvollziehbar, auf welcher Grundlage ein Chatbot eine Wahlempfehlung gibt. Für die politische Bildung geht es deshalb um beides: wie man KI nutzt und wie man ihre Antworten prüft.
Welche ethischen und demokratischen Fragen wirft KI auf?
Die Einführung von KI in der Politik berührt den Kern demokratischer Legitimation: In der Demokratie treffen Menschen die Entscheidungen. Wenn politische Prozesse zunehmend auf automatisierten Analysen beruhen, verschiebt sich das Verhältnis zwischen menschlicher Urteilskraft und technischer Berechnung.
Daraus ergeben sich Fragen:
- Wie viel Entscheidungsmacht sollen Maschinen erhalten?
- Wie werden Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Fairness und Datenschutz gesichert?
- Erfahren Bürgerinnen und Bürger, wenn politische Entscheidungen auf KI-Analysen beruhen?
- Wie wird verhindert, dass Algorithmen, die mit vergangenen Daten arbeiten, bestehende Ungleichheiten verfestigen?
Wie KI-Systeme in Politik und Verwaltung kontrolliert werden, entscheidet die Politik selbst. Mögliche Instrumente sind unabhängige Prüfstellen, Ethikräte und Aufsichtsbehörden. Für die Marktüberwachung nach der KI-Verordnung ist in Deutschland die Bundesnetzagentur zuständig (siehe Abschnitt „Wie wird KI in der politischen Kommunikation eingesetzt?“).
Was folgt daraus für Abgeordnete, Fraktionen und Parteien?
KI wird in Parlamenten und Verwaltungen heute vor allem für Text, Recherche und Zusammenfassung eingesetzt. In den Beispielen dieses Beitrags trifft sie keine politischen Entscheidungen; die Verantwortung bleibt bei Menschen. Die KI-Verordnung der EU stuft KI in demokratischen Prozessen als Hochrisiko ein und verlangt die Kennzeichnung von Deepfakes (Quellen in den Abschnitten oben).
Für Abgeordnete, Fraktionen und Parteien folgen daraus praktische Fragen: Welche Aufgaben soll KI im eigenen Büro übernehmen? Wie werden KI-Inhalte gekennzeichnet und freigegeben? Und was passiert, wenn ein Deepfake die eigene Person trifft?
Wie ich Sie unterstütze
Als systemischer Politikberater, politischer Supervisor und Politik-Coach begleite ich in meiner Politikberatung Abgeordnete, Fraktionen und Parteien auch beim Umgang mit KI in Kommunikation und Arbeitsalltag. Dazu gehören interne Regeln für Kennzeichnung und Freigabe, ein Plan für den Fall eines Deepfakes gegen die eigene Person und die Frage, welche Aufgaben KI übernehmen soll und welche nicht. Ich arbeite überparteilich für alle, die demokratisch antreten.
Im kostenlosen Erstgespräch (15 Minuten) klären wir, wo der größte Bedarf liegt.
Häufige Fragen zu KI in der Politik
Wie wird KI in der öffentlichen Politik eingesetzt?
Vor allem für Text, Recherche und Zusammenfassung. Der Bundestag baut einen eigenen Chatbot für Transkription, Texte und das Sortieren von Anfragen auf, die Bundesverwaltung nutzt die Plattform KIPITZ, Baden-Württemberg den Assistenten F13. In Großbritannien ordnet das Werkzeug „Consult“ Antworten auf öffentliche Konsultationen, Beschäftigte prüfen das Ergebnis (GOV.UK). In den genannten Beispielen trifft die KI keine Entscheidungen.
Wie beeinflusst KI demokratische Entscheidungsfindung?
Der Einfluss ist zweiseitig: KI kann Analysen beschleunigen und mehr Daten zugänglich machen. Zugleich kann sie die Rolle des Menschen in der politischen Urteilsbildung schwächen, wenn Algorithmen Prioritäten setzen oder Daten verzerrt auswerten. Diskutiert werden deshalb Leitlinien, Transparenzpflichten und Kontrolle. Die KI-Verordnung der EU stuft KI in demokratischen Prozessen als Hochrisiko ein (Europäische Kommission).
Wie kann Politik den Einsatz von KI verantwortungsvoll gestalten?
Den Rahmen in der EU setzt die KI-Verordnung (EU AI Act). Sie regelt unter anderem Transparenzpflichten wie die Kennzeichnung von Deepfakes und stuft KI in demokratischen Prozessen als Hochrisiko ein. Welche Aufgaben KI darüber hinaus übernehmen soll, wie Ergebnisse geprüft werden und wer die Verantwortung trägt, entscheiden Parlamente, Regierungen und Verwaltungen selbst. Mögliche Instrumente sind Pilotprojekte, Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und unabhängige Prüfstellen.
Müssen Parteien KI-Inhalte im Wahlkampf kennzeichnen?
Ja, bei Deepfakes. Seit dem 2. August 2026 müssen Betreiber nach Artikel 50 der KI-Verordnung offenlegen, wenn Bild, Ton oder Video künstlich erzeugt oder verändert wurden (Europäische Kommission, abgerufen 15.10.2026). Sechs Parteien hatten sich schon 2024 freiwillig auf das Label „KI-generierter Inhalt“ verständigt (LTO, 23.12.2024).
Nutzt der Bundestag Künstliche Intelligenz?
Bis Ende 2026 soll ein eigener Chatbot für Abgeordnete und Verwaltung bereitstehen. Er hilft bei Transkription, Texten und beim Sortieren von Anfragen. Die Nutzung ist freiwillig, Schulung ist Pflicht (heise online, 23.09.2026).
Ist der Wahl-O-Mat eine KI?
Nein. Die Thesen schreibt eine Redaktion mit jungen Wählerinnen und Wählern, die Antworten geben die Parteien selbst. Zur Bundestagswahl 2025 wurde er 26,0 Millionen Mal genutzt (bpb, abgerufen 15.10.2026).
Quellen
- Information System Authority Estland (RIA): Bürokratt (Stand 20.05.2026). https://www.ria.ee/en/state-information-system/artificial-intelligence/burokratt
- GOV.UK: Algorithmic Transparency Record, DSIT Consult (14.05.2025). https://www.gov.uk/algorithmic-transparency-records/dsit-consult
- United Nations DPPA: Innovation (abgerufen 18.10.2026). https://dppa.un.org/en/dppa/innovation
- heise online: Bundestags-KI, eigener Chatbot soll Schatten-KI im Parlament ablösen (23.09.2026). https://www.heise.de/news/Bundestags-KI-Eigener-Chatbot-soll-Schatten-KI-im-Parlament-abloesen-11463718.html
- Deutscher Bundestag: Drucksache 21/7443 (31.07.2026). https://dserver.bundestag.de/btd/21/074/2107443.pdf
- Staatsministerium Baden-Württemberg: Baden-Württemberg geht neue Wege bei Verwaltungs-KI (12.11.2024). https://stm.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/baden-wuerttemberg-geht-neue-wege-bei-verwaltungs-ki
- Staatsanzeiger: F13 wird Open Source (23.07.2025). https://www.staatsanzeiger.de/nachrichten/politik-und-verwaltung/f13-wird-open-source-baden-wuerttemberg-bringt-ki-in-die-verwaltung/
- Staatsanzeiger: Das Land treibt eine Alternative zu Big Tech voran (10.06.2026). https://www.staatsanzeiger.de/nachrichten/politik-und-verwaltung/das-land-treibt-eine-alternative-zu-big-tech-voran/
- BITBW: F13 in Baden-Württemberg (30.04.2026). https://bitbw.de/neuigkeiten/artikel/f13-in-baden-wuerttemberg/
- digitale-verwaltung.de: Kurzmeldung Verwaltungsdigitalisierung (März 2026). https://www.digitale-verwaltung.de/SharedDocs/kurzmeldungen/Webs/DV/DE/2026/03_verwaltungsdigitalisierung.html
- Europäische Kommission: Regulatory framework on AI (abgerufen 15.10.2026). https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/regulatory-framework-ai
- Europäische Kommission: FAQ zum Verhaltenskodex zur Transparenz KI-generierter Inhalte (abgerufen 15.10.2026). https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/faqs/code-practice-transparency-ai-generated-content
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2026/1744, Amtsblatt L 2026/1744. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ%3AL_202601744
- Regulatory Blog: Digitaler Omnibus zur KI-Verordnung (abgerufen 15.10.2026). https://www.regulatoryblog.eu/post/digital-omnibus-ki-verordnung-eu-2026-1744
- KI-Marktüberwachungsgesetz (KI-MIG) vom 22.07.2026. https://www.gesetze-im-internet.de/ki-mig/BJNR0DF0B0026.html
- Deutscher Bundestag: Textarchiv, Juni 2026 (KI). https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw24-de-ki-1183820
- Geise, Stephanie u. a.: Studies in Communication and Media 4/2025. https://doi.org/10.5771/2192-4007-2025-4-485
- Legal Tribune Online: Fairness-Abkommen zur Bundestagswahl 2025, das steht drin (23.12.2024). https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/fairness-abkommen-bundestagswahl-2025-das-steht-drin
- Correctiv: Gezielte Kampagne, Robert Habeck sollte mit Falschbehauptung diffamiert werden (13.12.2024). https://correctiv.org/faktencheck/2024/12/13/gezielte-kampagne-robert-habeck-sollte-mit-falschbehauptung-diffamiert-werden/
- Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg: KI-generierte Inhalte und Deepfakes im Wahlkampf (abgerufen 15.10.2026). https://www.verfassungsschutz-bw.de/,Lde/Startseite/Meldungen+und+Archiv/KI-generierte+Inhalte+und+Deepfakes+im+Wahlkampf
- Nordkurier: Gefälschte Videos, erfundene Nachrichten: Wie der Wahlkampf in MV manipuliert wurde (30.09.2026). https://www.nordkurier.de/regional/mecklenburg-vorpommern/gefaelschte-videos-erfundene-nachrichten-wie-der-wahlkampf-in-mv-manipuliert-wurde-4897206
- Bundeszentrale für politische Bildung: Wenn der Schein trügt, Deepfakes und die politische Realität. https://www.bpb.de/lernen/bewegtbild-und-politische-bildung/551578/wenn-der-schein-truegt-deepfakes-und-die-politische-realitaet/
- Bundeszentrale für politische Bildung: Leitlinie zum redaktionellen Einsatz von KI-Systemen in der bpb. https://www.bpb.de/die-bpb/ueber-uns/service/571256/leitlinie-zum-redaktionellen-einsatz-von-ki-systemen-in-der-bpb/
- Bundeszentrale für politische Bildung: Wahl-O-Mat. https://www.bpb.de/themen/wahl-o-mat/
- Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Web-Talk-Reihe zur Landtagswahl 2026 (13.11.2025). https://www.lpb-bw.de/einzelansicht/pm-web-talk-reihe-landtagswahl-2026-2025-11-12
- Kultusministerkonferenz: Handlungsempfehlung zum Umgang mit künstlicher Intelligenz (10.10.2024). https://www.kmk.org/aktuelles/pressearchiv/mitteilung/bildungsministerkonferenz-verabschiedet-handlungsempfehlung-zum-umgang-mit-kuenstlicher-intelligenz-1.html
- Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: WD 8-3000-004/25 (28.02.2025). https://www.bundestag.de/resource/blob/1058904/7362e1bfab54b947f6ee3e661bec1706/WD-8-004-25-pdf.pdf
Über den Autor
Ich bin Sebastian Flack, systemischer Politikberater, politischer Supervisor und Politik-Coach. Als Sozial- und Politikwissenschaftler (M.A.) und Ex-Soldat bin ich seit über zehn Jahren in der Politikberatung tätig. Ich begleite Politikerinnen und Politiker, Parteien, Fraktionen und Organisationen dabei, in komplexen Lagen klar und handlungsfähig zu bleiben.
Meine Arbeit verbindet wissenschaftliche Fundierung, praktische Erfahrung und eine systemische Denkweise. Ich arbeite überparteilich für alle, die demokratisch antreten.
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