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Wie wird man Politiker oder Politikerin?

Illustration: Figur vor einem Rathaus mit dem Titel Politiker werden: Voraussetzungen, erste Schritte und Quereinstieg

Politikerin oder Politiker wird man nicht über eine Ausbildung, sondern über eine Wahl. Der übliche Weg beginnt vor Ort: in einer Partei, einer Initiative oder einem Verein, mit einer ersten Kandidatur für den Gemeinderat. Von dort führt der Weg über Listenplätze und Wahlkreise in Kreistag, Landtag oder Bundestag. Welche Regeln dafür gelten und wie die ersten Schritte aussehen, zeigt dieser Ratgeber.

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Wichtigste Erkenntnisse

  • „Politiker“ ist kein Ausbildungsberuf. Wer gewählt wird, ist Politikerin oder Politiker.
  • Für den Bundestag ist wählbar, wer Deutscher ist und am Wahltag 18 Jahre alt ist (§ 15 Bundeswahlgesetz). Bei Kommunalwahlen können auch Bürgerinnen und Bürger anderer EU-Staaten kandidieren (Art. 28 Abs. 1 GG).
  • Eine Parteimitgliedschaft ist nicht vorgeschrieben. Landeslisten können aber nur Parteien einreichen (§ 27 BWahlG); parteilos braucht ein Wahlkreisvorschlag 200 Unterschriften (§ 20 Abs. 3 BWahlG).
  • Der häufigste Einstieg ist die Kommune: mitmachen, Aufgaben übernehmen, für den Gemeinderat kandidieren.
  • Quereinstieg ist möglich; Berufserfahrung aus anderen Feldern wird in Fachausschüssen gebraucht.

Was macht eine Politikerin oder ein Politiker?

Politikerinnen und Politiker beraten und beschließen Gesetze, Haushalte und Satzungen, vertreten die Anliegen ihres Wahlkreises und kontrollieren Regierung und Verwaltung. Das geschieht in der Gemeinde, im Land, im Bund und in Europa, oft neben einem Parteiamt. Was zum Alltag gehört und wie viele Politikerinnen und Politiker es gibt, zeigen die Beiträge Was ist ein Politiker? und Wie viele Politiker gibt es in Deutschland?

Welche Voraussetzungen gelten?

  • Alter: Für den Bundestag ist wählbar, wer am Wahltag 18 Jahre alt ist (§ 15 BWahlG, Art. 38 Abs. 2 GG). Für Landtage und Kommunen regeln die Länder die Einzelheiten.
  • Staatsangehörigkeit: Für Bundestag und Landtage deutsch, bei Kommunalwahlen auch die eines EU-Staates (Art. 28 Abs. 1 GG).
  • Wahlvorschlag: Kandidieren kann man über eine Partei oder, im Wahlkreis, mit Unterschriften von Wahlberechtigten (§ 20 BWahlG). Landeslisten reichen nur Parteien ein (§ 27 BWahlG).
  • Ausschluss: Nicht wählbar ist, wem ein Gericht die Wählbarkeit aberkannt hat (§ 15 Abs. 2 BWahlG).
  • Kein Abschluss nötig: Ein Studium oder eine Ausbildung ist nicht vorgeschrieben. Wie viele Abgeordnete ohne Berufsabschluss es gibt, zeigt die Liste der Politiker ohne Ausbildung.
Drei Kacheln zu den Voraussetzungen einer Kandidatur zum Bundestag: volljährig, deutsche Staatsangehörigkeit (bei Kommunalwahlen auch aus einem EU-Staat) und ein Wahlvorschlag über eine Partei oder mit 200 Unterschriften im Wahlkreis

Wie wird man Politiker Schritt für Schritt?

Gemeinderat oder Stadtrat werden

  1. Informieren: Sitzungen von Gemeinderat und Kreistag sind in der Regel öffentlich. Wer zuhört, lernt Themen und Menschen vor Ort kennen.
  2. Mitmachen: in eine Partei, ihre Jugendorganisation, eine Bürgerinitiative oder einen Verein eintreten.
  3. Ehrenamt übernehmen: im Ortsvorstand, als Wahlkampfhelferin oder Wahlkampfhelfer, bei Anträgen für den Parteitag.
  4. Kandidieren: für einen Listenplatz bei der Gemeinderats- oder Kreistagswahl. Tipps für den Wahlkampf vor Ort: Haustürwahlkampf, Wahlplakate, Social Media für Politiker.
  5. Weitergehen: mit Erfahrung und Rückhalt in der Partei auf Kreistag, Landtag oder Bundestag zugehen.

Erfundenes Beispiel: Anna Beispiel aus Beispielstadt besucht ein Jahr lang die Ratssitzungen, tritt einer Partei bei, organisiert den Infostand im Kommunalwahlkampf und steht bei der nächsten Wahl auf Platz 6 der Gemeinderatsliste.

Fünf Schritte in die Politik: informieren, mitmachen, ein Ehrenamt übernehmen, für den Gemeinderat kandidieren und auf weiteren Ebenen weitergehen

Geht der Einstieg auch als Quereinsteiger?

Ja. Gesetzlich gibt es keinen vorgeschriebenen Weg, und viele Abgeordnete kommen aus Berufen außerhalb der Politik, etwa aus Medizin, Schule, Handwerk, Verwaltung oder Wirtschaft. Ihr Fachwissen ist in den Ausschüssen gefragt. Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger beginnen oft in der Kommune oder werden von einer Partei für ein Thema angesprochen. Wer hauptamtlich Bürgermeisterin oder Bürgermeister werden will, findet den Weg im Ratgeber Wie werde ich Bürgermeister?; für den Landtag im Ratgeber Wie wird man Landtagsabgeordneter?; für den Bundestag im Ratgeber Wie wird man Bundestagsabgeordneter?

Welche Fähigkeiten helfen beim Einstieg?

  • verständlich sprechen und zuhören
  • im Team arbeiten und Kompromisse finden
  • Kritik aushalten und dranbleiben
  • sich in Themen einarbeiten
  • Zeit planen, denn das erste Mandat ist meist ein Ehrenamt neben dem Beruf

Was eine gute Politikerin oder einen guten Politiker ausmacht, beschreibt ein eigener Beitrag.

Wie geht es nach dem Einstieg weiter?

Nach dem ersten Mandat folgen oft Parteiämter, ein Platz auf der Landesliste oder eine Wahlkreiskandidatur. Wie politische Laufbahnen verlaufen, welche Ämter es gibt und ob ein späterer Einstieg gelingt, zeigt der Beitrag Politische Karriere. Wege in den einzelnen Parteien: AfD, CDU, CSU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen.

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Häufige Fragen zum Politiker werden

Ab welchem Alter kann man Politiker werden?

Für den Bundestag mit 18 Jahren (§ 15 BWahlG). Parteien und ihre Jugendorganisationen nehmen Mitglieder oft schon früher auf; das Mindestalter steht in der jeweiligen Satzung.

Muss man in einer Partei sein?

Nein. Für einen Listenplatz braucht es aber eine Partei, denn Landeslisten reichen nur Parteien ein (§ 27 BWahlG). Parteilos ist eine Wahlkreiskandidatur mit 200 Unterschriften möglich (§ 20 BWahlG), in Kommunen auch über Wählervereinigungen.

Braucht man ein Studium?

Nein. Es gibt keinen vorgeschriebenen Abschluss. Siehe auch die Liste der Politiker ohne Ausbildung.

Kann man neben dem Beruf Politiker sein?

Ja. Mandate in Gemeinderat und Kreistag sind in der Regel Ehrenämter neben dem Beruf. Hauptberuflich sind vor allem Abgeordnete in Bundestag, Europaparlament und den meisten Landtagen sowie hauptamtliche Bürgermeisterinnen, Bürgermeister, Landrätinnen und Landräte. Die Hamburgische Bürgerschaft und die Bremische Bürgerschaft sind Teilzeitparlamente, dort üben viele Abgeordnete neben dem Mandat einen Beruf aus (Quelle).

Wie wird man Politikerin ohne Erfahrung?

Über die ersten Schritte oben: informieren, mitmachen, ein Ehrenamt übernehmen. Erfahrung entsteht in der Kommune, und Parteien suchen dort oft Kandidatinnen und Kandidaten.

Quellen

Über den Autor

Ich bin Sebastian Flack, systemischer Politikberater, politischer Supervisor und Politik-Coach. Als Sozial- und Politikwissenschaftler (M.A.) und Ex-Soldat bin ich seit über zehn Jahren in der Politikberatung tätig. Ich begleite Politikerinnen und Politiker, Parteien, Fraktionen und Organisationen dabei, in komplexen Lagen klar und handlungsfähig zu bleiben.

Meine Arbeit verbindet wissenschaftliche Fundierung, praktische Erfahrung und eine systemische Denkweise. Ich arbeite überparteilich für alle, die demokratisch antreten.

Politikberater Sebastian Flack

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